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  • Manu Slinke bei der Psychologin

    Burnout an der linken Hand

    Guten Tag Frau Psychologin, schön, dass Sie Zeit haben. Mein Name ist Slinke, Manu Slinke. Ich arbeite bei einem Jongleur als linke Hand und ich schaffe das einfach nicht mehr. Können Sie mir helfen? Ich stehe kurz vor einem Burnout. Wenn wir in der Performance sind, dann zittere ich, kann mich auf nichts konzentrieren, mein Gedächtnis ist wie weggeblasen, ich weiß manchmal gar nicht mehr was ich wann in der Show zu tun habe.

    Mein Handrücken ist ganz verspannt. Ich muss die ganze Verantwortung für das Unternehmen tragen. In der Show macht die rechte Hand dauernd irgendwelche Sperenzchen, Tricks, wie sie es nennt, und ich muss für Konstanz und Vorankommen sorgen und alle Abweichungen in der Zuarbeit wieder ausgleichen. Das schaffe ich nicht mehr. Ich bin am Limit. Ich traue mir das nicht mehr zu. Ich habe Albträume, finde nachts keine Ruhe mehr. Neulich habe ich geträumt, wie ich Bälle fangen soll und dann sehe ich plötzlich, wie ich mit leeren Händen dastehe, mitten in einem Bällebad. Und wenn ich am nächsten Tag müde bin läuft es erst recht nicht.

    Jonlgage Alptraum Manu SlinkeWenn die rechte Hand was fallen lässt, dann lacht der Chef ins Publikum und macht Sprüche. Wenn mir ein Fehler passiert, dann sagt er nichts und hebt einfach nur den Ball auf und macht weiter, er schaut mich nicht mal an dabei. Ich habe das Gefühl, dass er mich nicht mag.  Wahrscheinlich stehe ich schon auf der Abschussliste.

    Ich habe so eine Angst Fehler zu machen, dass ich mich kaum noch zur Arbeit traue, am liebsten würde ich mich in der Hosentasche verkriechen. Ich bekomme richtig Panik wenn die Show-Musik angeht. Ich habe Angst die Bälle loszulassen und wieder Fehler zu machen. Gestern hat sich der Chef beschwert, dass ich zu zaghaft werfe und Anspielungen auf meine Ängstlichkeit und Schwächlichkeit gemacht.

    Ich würde ja gerne einfach abhauen, in Urlaub gehen, einfach raus, aber wenn ich das mache, wollen die anderen bestimmt wieder mitkommen. Das war im letzten Urlaub auch schon so, und dann dreht sich wieder alles um die rechte Hand und Co.

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    Angst vor Fehlern führt zu Mutlosigkeit und (in der Jonglage) dazu, dass man nicht mehr richtig loslassen kann. Man hält an Dingen fest, obwohl man weiß, dass es nicht gut für einen selbst ist.  Dadurch passieren Fehler, das Selbstbewusstsein leidet, und das führt zu noch mehr Angst vor Fehlern.

    Aus psychologischer Sicht kann Angst vor Fehlern zu Depressionen führen, die sich wiederum in Mutlosigkeit, Interesselosigkeit, Schlaflosigkeit, Albträumen ausdrücken kann. Auch Gereiztheit, Aggression könnten Folgen sein. Am Ende wird dann ganz aufgegeben. Depression und Burnout gehen oft zusammen, man nennt das dann Erschöpfungsdepression, weil das gesamte System kollabiert.

    Deshalb ist es wichtig, sich auch im Arbeitsalltag Freiräume zu erlauben – das ist die Königsdisziplin der Selbstfürsorge schlechthin – gerade im Stress. Pausen machen, innezuhalten und Momente der Muse zu schaffen. Abschalten und loslassen, damit man danach wieder mit neuem Schwung ansetzen kann. Auch ein Blick auf die Fehlerkultur lohnt sich. Wie wollen wir mit uns selbst und miteinander umgehen?

    Dafür empfiehlt es sich übrigens zu jonglieren, denn bei der Jonglage ist die ganze Aufmerksamkeit bei den Bällen und damit im jeweiligen Moment. Es bleibt kein Raum vorauszudenken oder zurückzublicken und damit ist es leicht seine Gedanken zu leeren und sich komplett aus dem Alltag auszuklinken um danach wieder neu starten zu können. Also lieber Herr Slinke, was halten sie davon?

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    Vielen Dank an Sakino Mathilde Sternberg für die Zusammenarbeit in diesem Artikel.

    Weitere Infos zu Redner Andy Gebhardt: Vorträge zum Thema Fehlerkultur


    Posted on 10:22 by in Fehlerkultur

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